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Deutsche Chipbranche wartet weiter auf Fördermittel


Die Politik versprach der Halbleiterindustrie Milliarden – doch bei den Firmen kam (noch) nichts an. Europas Aufholjagd in Sachen Chips droht sich zu verzögern, bevor sie überhaupt begonnen hat.

 

Siliziumkarbid ist das Chipmaterial der Zukunft. Ein Aspekt bremst die Verbreitung der Halbleiter allerdings noch aus: Sie sind mindestens doppelt so teuer wie die herkömmlichen Silizium-Bauelemente. Das Start-up mi2-factory will die Produktionskosten mit einer neuen Technologie deutlich senken – zunächst um 30 und langfristig womöglich sogar um 50 Prozent. Für die europäische Chipindustrie wäre das ein Segen, schließlich gehören Halbleiter aus Siliziumkarbid (SiC) zu den wenigen Bereichen der Branche, in welchen Europa noch Weltklasse ist.

Für den Bau eines Prototyps seiner Chipmaschine braucht mi2-factory zunächst allerdings einen zweistelligen Millionenbetrag. In den vergangenen Monaten kündigte die Politik zwar an, Milliarden für die Chipindustrie bereitzustellen, noch ist allerdings unklar, wann und mit wie viel Geld gerechnet werden kann. In seiner Enttäuschung über die aktuelle Ungewissheit ist mi2-factory nicht allein: Auch große Halbleiterhersteller klagen laut Handelsblatt hinter vorgehaltener Hand darüber, dass Staatshilfe lange auf sich warten lasse und dass die Vergaberegeln Innovationen eher verzögern als beschleunigen würden.

Dabei hat die EU der Branche mit ihren ambitionierten Zielen zunächst so viel Hoffnung gegeben. Anfang des Jahes hat Kommissionschefin Ursula von der Leyen einen Plan vorgestellt, demzufolge Europa mit Hilfe eines groß angelegten Förderprogramms seinen Anteil an der weltweiten Halbleiterproduktion bis 2030 mehr als verdoppelt solle. Mit einer Investition von 43 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln will die EU den Rückstand Europas wettmachen und seine Abhängigkeiten von Asien reduzieren.

Während am Markt etablierte Unternehmen wie beispielsweise Bosch „nur“ der Konkurrenz aus Asien gegenüber benachteiligt sind, sehen mögliche Konsequenzen für ein junges Unternehmen wie mi2-factory natürlich gleich noch dramatischer aus: Das Start-up könnte mitsamt seiner innovativen Technologie scheitern, wenn die erwarteten Zuschüsse ausbleiben. Dabei sind gerade solche einheimische Chip-Start-ups für die deutsche Wirtschaft enorm wichtig. Daher drängt unter anderem auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) die EU in einem Positionspapier dazu, schnell über die Projekte zu entscheiden, welche gefördert werden sollen.


Quelle: Handelsblatt