Vergleich – Europäische Cloud-Anbieter

Alternativen zu den großen US-Cloud-Anbietern

Zu AWS, Microsoft Azure und Google Cloud gibt es in Europa mehr Alternativen, als viele Auswahllisten vermuten lassen – von deutschen Mittelständlern mit eigenem Rechenzentrum bis zu europäischen Konzerntöchtern. Dieser Überblick nennt die relevanten Anbieter ehrlich beim Namen, auch die Wettbewerber von centron, und erklärt, nach welchen Kriterien Sie auswählen sollten, wenn Datensouveränität und DSGVO den Ausschlag geben.

Warum überhaupt eine Alternative?

Der wichtigste Grund ist rechtlich, nicht technisch: US-Anbieter unterliegen als US-Unternehmen dem CLOUD Act und FISA Section 702 – US-Behörden können Datenherausgabe verlangen, auch wenn die Server in Frankfurt oder Dublin stehen. Der Europäische Gerichtshof hat mit dem Schrems-II-Urteil (C-311/18, Juli 2020) genau dieses Spannungsfeld zum DSGVO-Problem gemacht. Dazu kommen praktische Gründe: Euro-Preise ohne Wechselkursrisiko, deutschsprachiger Support, kalkulierbare Egress-Kosten und kürzere Wege bei Audits.

Europäische Alternativen im Überblick

Die Übersicht nennt bewusst auch Wettbewerber von centron – eine Auswahlliste, die nur den eigenen Namen enthält, wäre keine. Alle Angaben: Stand August 2026, alphabetisch sortiert.

Anbieter Sitz Profil
centron Deutschland (Hallstadt bei Bamberg) Inhabergeführte GmbH mit eigenem Rechenzentrum; ccloud³ VMs, Managed Kubernetes, S3 Object Storage, GPU- und Managed Server. ISO 27001 auf Basis IT-Grundschutz (BSI), uneingeschränktes C5:2020 Typ 1-Testat.
Hetzner Deutschland (Gunzenhausen) Preisaggressiver Infrastruktur-Anbieter mit eigenen Rechenzentren in Deutschland und Finnland; stark bei Dedicated Servern und Cloud-VMs, Self-Service-Modell.
IONOS Deutschland (Karlsruhe/Montabaur) Börsennotierter Anbieter (United-Internet-Gruppe) mit breitem Portfolio von Webhosting bis Enterprise-Cloud; Rechenzentren in Deutschland und Europa.
OVHcloud Frankreich (Roubaix) Größter europäischer Cloud-Anbieter, börsennotiert; eigene Rechenzentren in mehreren EU-Ländern, breites IaaS-/PaaS-Portfolio.
Scaleway Frankreich (Paris) Tochter der Iliad-Gruppe; entwicklerorientierte Cloud mit Rechenzentren in Frankreich, den Niederlanden und Polen.
STACKIT Deutschland (Heilbronn) Cloud der Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland); auf Konzern- und Handelsanforderungen ausgerichtete Plattform mit deutschen Rechenzentren.
T-Systems / Open Telekom Cloud Deutschland (Frankfurt/Bonn) Telekom-Tochter; OpenStack-basierte Public Cloud aus deutschen Rechenzentren, Fokus auf Konzerne und öffentliche Hand.

Wichtig für die Bewertung: „Europäischer Sitz" ist notwendig, aber nicht hinreichend. Entscheidend ist die vollständige Kette – Eigentümerstruktur ohne Drittstaaten-Kontrolle, Rechenzentren in der EU, Vertrag nach europäischem Recht und unabhängig geprüfte Sicherheit. Wie Sie das prüfen, zeigt die 10-Punkte-Checkliste zur Datensouveränität.

Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten

  1. Jurisdiktion der Muttergesellschaft – nicht der Serverstandort entscheidet, sondern wer rechtlich Zugriff erzwingen kann (CLOUD Act, FISA 702).
  2. Nachweise statt Aussagen – C5-Testat und ISO 27001 mit passendem Scope; wie Sie ein Testat lesen, erklärt die Seite BSI C5 verstehen und prüfen.
  3. Vollständige Preisrechnung – Traffic, Backups, Snapshots und Support einrechnen; Einstiegspreise allein tragen nicht (siehe deutsche Cloud-Anbieter im Vergleich).
  4. Migrationsaufwand und Exit – S3-kompatible Schnittstellen, Standard-APIs und dokumentierte Kündigungswege senken beide Richtungen des Wechselrisikos.
  5. Betriebsmodell – Self-Service genügt Entwicklerteams; wer Betriebsverantwortung abgeben will, braucht Managed-Angebote mit SLA.

Der Wechsel in der Praxis

Eine Migration von AWS, Azure oder Google Cloud beginnt selten mit dem kompletten Bestand. Bewährt hat sich der Einstieg über ein abgegrenztes Projekt – ein neues Workload, die Staging-Umgebung oder der Objektspeicher (S3-kompatible APIs machen den Storage-Umzug am einfachsten). Detaillierte Gegenüberstellungen einzelner Anbieter: centron vs. Microsoft Azure, centron vs. Hetzner, centron vs. IONOS, centron vs. STACKIT.

Zuletzt geprüft: 31. August 2026 · Quellen: EuGH, Urteil C-311/18 („Schrems II"); US CLOUD Act (H.R. 4943); Anbieterangaben laut deren Websites, Stand August 2026.

FAQ

Häufige Fragen zu Cloud-Alternativen

Welche Alternativen gibt es zu den großen US-Cloud-Anbietern?

Zu AWS, Microsoft Azure und Google Cloud gibt es etablierte europäische Alternativen: aus Deutschland centron, Hetzner, IONOS, STACKIT und die Open Telekom Cloud, aus Frankreich OVHcloud und Scaleway. Sie unterscheiden sich deutlich in Betriebsmodell (Self-Service bis Managed), Portfolio und Zielgruppe. Entscheidend für die Auswahl ist neben Preis und Leistung die vollständige Souveränitätskette: europäische Eigentümerstruktur, EU-Rechenzentren, Vertrag nach europäischem Recht und unabhängig geprüfte Sicherheit – etwa per BSI-C5-Testat.

Was sind die top 5 der deutschen Cloud Service Provider?

Eine offizielle Rangliste gibt es nicht – „Top 5" hängt vom Maßstab ab (Umsatz, Marktanteil, Segment). Häufig genannt werden IONOS, Hetzner, STACKIT, die Open Telekom Cloud (T-Systems) und plusserver; für den Mittelstand mit Fokus auf Managed Services und geprüfte Souveränität gehört auch centron in die engere Wahl. Sinnvoller als jede Rangliste ist der Abgleich mit den eigenen Anforderungen: benötigtes Portfolio, Betriebsmodell, Nachweise wie C5 und ISO 27001 sowie die Gesamtkosten inklusive Traffic und Support.

Ist eine europäische Cloud automatisch DSGVO-konform?

Nein. Auch bei europäischen Anbietern müssen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO, dokumentierte technisch-organisatorische Maßnahmen und eine saubere Unterauftragsverarbeiter-Kette vorliegen. Und umgekehrt macht ein EU-Rechenzentrum allein einen US-Anbieter nicht konform – maßgeblich ist, wessen Recht auf den Anbieter durchgreift. Prüfen Sie deshalb immer die Eigentümerstruktur und die Vertragsgrundlage, nicht nur den Serverstandort.

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